Wie können wir Freundschaften und Beziehungen liebevoll und erfüllend gestalten?
Doch, sagen tun wir meist etwas anderes. Wir sprechen über Vorwürfe, statt über das, was wir eigentlich fühlen. Dann fallen Sätze wie: «Du willst mich ja gar nicht verstehen» oder «Nie hörst du mir richtig zu». Dadurch fühlt sich das Gegenüber oft hilflos. Es entsteht Distanz und nicht selten endet alles in einem Streit, bei dem sich beide verletzt fühlen.Dabei merken wir oft erst im Nachhinein, wie wenig hilfreich unsere Worte eigentlich waren, um auszudrücken, was wir wirklich fühlen.
Mit etwas Abstand kommt dann hoffentlich die Versöhnung – doch das eigentliche Problem bleibt häufig bestehen. Wir wissen zwar, dass wir etwas verändern sollten, damit Nähe und Liebe erhalten bleiben. Denn kaum etwas ist schwieriger, als sich über Monate oder gar Jahre alleingelassen zu fühlen. Irgendwann kommt es automatisch zur Trennung – mindestens zu einer innerlichen. Je nach Abhängigkeiten und Verantwortlichkeiten auch zu einer äusseren.
Was hilft?
Wir sollten so miteinander reden, dass wir uns verstanden und verbunden fühlen. Um Beziehungen zu vertiefen, hilft es, so zu kommunizieren, dass Missverständnisse schneller erkannt und Enttäuschungen liebevoll geklärt werden können.
Wie kann das gelingen?
Wenn wir und bewusst machen, wie wir miteinander reden und lernen zu sagen:
«Ich fühle mich gerade allein»
«Ich bin verletzt»
«Ich wünsche mir mehr Verständnis»
…entsteht oft viel schneller Verbindung.
Indem wir uns bewusst machen, wie wir miteinander reden.

Folgende Hinweise zu einer verbindenden Kommunikation können dabei helfen:
Verbindung
Der wichtigste Schritt ist, dafür zu sorgen, dass zwischen euch überhaupt eine Verbindung besteht. Achte darauf, dass beide bereit für das Gespräch sind. Am besten setzt ihr euch auf Augenhöhe gegenüber, etwa einen Meter voneinander entfernt.
Denn wenn die Verbindung schlecht ist, kann kein gutes Gespräch entstehen. Es ist wie beim Mobiltelefon: Ist der Empfang schlecht, versteht man nur Bruchstücke und muss sich den Rest zusammenreimen.
Worte
Mach dir bewusst, ob du auch wirklich meinst, was du sagst. Achte besonders darauf, wie du folgende zehn Worte benutzt:
Ich, du, sie, es, aber, ja, nein, immer, niemals, sollte
Diese Worte haben oft besonders viel Wirkung. Sie können verbinden — oder schnell Druck, Schuld oder Missverständnisse erzeugen. Wenn wir diese Worte bewusst und sorgfältig verwenden, können viele Missverständnisse vermieden werden.
Worte wie «immer» oder «nie» lösen beim Gegenüber oft Widerstand aus. Denn kaum jemand fühlt sich darin wirklich gesehen.
Nachfragen
Was hast du verstanden? Wie ist das Gesagte bei dir angekommen?
Es ist wichtig herauszufinden, was dein Gegenüber wirklich verstanden hat – besonders dann, wenn du dir nicht sicher bist. Dasselbe Wort kann für zwei Menschen eine völlig unterschiedliche Bedeutung haben.
Manchmal verstehen wir etwas auch nicht, weil es zu leise oder undeutlich gesagt wurde. Oft fragen wir dann gar nicht nach, sondern «erfinden» den Rest und behandeln ihn wie eine Tatsache. Alles Weitere im Gespräch wird dann darauf aufgebaut.
Annahmen
Ein grosser Teil unseres Denkens besteht aus Annahmen, die wir behandeln, als wären sie bereits Tatsachen. Wir reagieren oft nicht auf das, was wirklich gesagt wurde, sondern auf das, was wir hineininterpretieren.
Diese Fragen können helfen, Annahmen sichtbar zu machen:
- «Ich nehme an, dass …»
- «Ist es richtig, dass …?»
- «Wie kommst du zu dieser Schlussfolgerung?»
Oft nehmen wir auch einfach an, dass der andere uns automatisch hört und versteht. Schon viele Beziehungen sind genau daran zerbrochen.
Neugierde und Zuhören
Sei neugierig. Viele Menschen hören nicht zu, um zu verstehen, sondern um zu antworten. Wir glauben oft, unser Gegenüber in- und auswendig zu kennen. Doch wir alle verändern uns ständig.
Wirkliches Zuhören bedeutet:
- nicht sofort zu bewerten
- nicht gleich Lösungen zu suchen
- dem anderen Raum zu geben
Oft heilt schon das Gefühl:
„Da ist jemand, der mich wirklich hören will.“
Trainieren
Übe schwierige Gespräche ruhig im Vorfeld. Übe es am besten vor dem Spiegel oder gerne auch mit einer vertrauten, nicht involvierten Person. Achte dabei bewusst auf deine Wortwahl.
Oder mach ein Experiment: Nimm eine Diskussion auf und höre sie dir anschliessend an. Durch diesen Perspektivenwechsel kannst du dich besser in deine Partnerin oder deinen Partner hineinversetzen.
Du wirst feststellen: Im Nachhinein erkennt man oft viel leichter, welche Worte besser ausdrücken, was man eigentlich sagen wollte.
Humor
Humor, Wärme und ein ehrliches Lächeln können manches Gespräch entspannen. Nicht jedes Missverständnis muss sofort perfekt gelöst werden. Oft hilft schon das Gefühl: Wir sind immer noch miteinander verbunden.
Schenk dir und der Welt ein Lächeln 🙂 Wir alle sind «Meister in Ausbildung».

